Rezept: Easy vegane Müsliriegel für unterwegs #zerowaste

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Günstig, vegan, zucker- und müllfrei – mit diesen super schnell zubereiteten Müslisnacks bist du auch unterwegs immer gut versorgt. Und das ganz ohne Nachkaufstress oder großen Aufwand bei der Zubereitung!

Ich bin viel unterwegs: Beruflich wie privat jage ich via Bus, Bahn und Flieger über den Globus (über den ökologischen Aspekt hierbei, schreibe ich gerne an anderer Stelle nochmal etwas). Das alles zu unmöglichen Tages- und Nachtzeiten. Manchmal komme ich überhaupt nicht dazu, früh morgens (oder besser: mitten in der Nacht) vor dem Reiseantritt etwas zu frühstücken oder mir etwas selbst Vorbereitetes mitzunehmen. Um nicht ständig vom Angebot meiner Umgebung abhängig zu sein (nicht vegan, nicht lecker oder nicht vorhanden), habe ich mir angewöhnt, Bio-Müsliriegel aus einschlägigen Drogerien in meine Taschen zu stopfen. Meine Mutter vermutet, es seien die italienischen Gene – in jedem Fall trieb mich die Angst vor dem Hungertod dazu, sämtliches Reiseequipment mit diesen einzeln verpackten kleinen Lebensrettern auszustaffieren. Mit der Zeit störte mich daran nicht nur der ständig anfallende Müll, sondern auch diese vermeintliche Not, permanent welche nachkaufen zu müssen. Der obligatorische Gang zur Drogerie kostet nicht nur unnötige Zeit, sondern animiert natürlich auch dazu, noch zusätzlichen Quatsch zu kaufen, von dem ich mittlerweile weiß, dass ich ihn nicht wirklich brauche. Das gilt übrigens auch für die meisten anderen Menschen 😉

Noch dazu, ging das Ganze ziemlich ins Geld: Ein Riegel kostet zwischen 0,79 und 1,49€ – vielleicht nicht viel im Einzelnen, aber kauft man davon mehrere in der Woche oder hamstert gar Vorräte (Hungertod!!!), stellen Müsliriegel schnell einen stattlichen Betrag auf der Ausgabenbilanz dar. Daher habe ich nach einer Alternative gesucht. Mir war wichtig, dass ich mit einfachen Zutaten (die ich idealerweise eh zuhause habe und nicht extra kaufen muss), schnell, unkompliziert und günstig zu meinem sättigenden Snack komme. Nach verschiedenen Experimenten, kann ich dieses Grundrezept empfehlen:

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Zutaten:

  • Haferflocken
  • 1 Stück Obst: Am geeignetsten die spätere Konsistenz und Stabilität des Riegels betreffend, haben sich Bananen erwiesen. Ich habe sie aber auch schon mit Tiefkühlbeeren gemacht (wird etwas säuerlich: gut süßen!) und mit Pfirsich. Wer Banane nicht so gern mag, kann auch einen kleinen Teil Banane mit einem größeren Teil anderen Obsts mischen und profitiert so von der Bananenkonsistenz, ohne den Geschmack zu dominant zu machen 🙂
  • Süßungsmittel wie Ahornsirup oder Agavendicksaft
  • Nach Wahl: Beispielsweise Walnüsse, Mandeln, Cashews, Chia Samen, Müsli Topping, Trockenobst, Sonnenblumenkerne, Haselnüsse, Erdnussbutter, Cranberries, Mandelmus, Leinsamen, Zimt, Kakao, Amaranth, Gewürze, dunkle Schokolade…
  • hilfreich sind zusätzlich: Eine Kastenform zum Backen, Backpapier (am besten natürlich wiederverwendbaren Backmatten oder direkt eine Silikonkastenform, die sowas überflüssig macht!), eine Dose für die fertigen Riegel (am besten klein und handlich)

 

Damit das Ganze nicht nur Beschäftigungstherapie wird, sondern Müll wirklich vermeidet, achte auf die Auswahl und Beschaffung der Zutaten! Wähle Inhaltsstoffe nach dem Kriterium aus, welche du sowieso schon besitzt oder noch zu anderen Zwecken verwenden kannst. Wenn du neue Zutaten benötigst, kaufe sie möglichst lose und bring deine eigenen Verpackungen mit. Haferflocken bekommt man häufig in Papiertüten, welche man wiederum gut wiederverwenden kann, um Nüsse lose zu erstehen (benutze manche Tüten wirklich noch monatelang). Noch besser sind natürlich Baumwollsäckchen oder alte Gläser. Wer seine Zutaten und Hilfsmittel schlau wählt, erhält ein Produkt, dass tatsächlich auch bei seiner Produktion völlig ohne Müll auskommt 👌

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Anleitung:

  1. Obst zu einem Mus verarbeiten: Die Banane schälen und in eine Schale tun und mit einer Gabel zerdrücken. (Solltest du anderes Obst verwenden, kannst du es z.B. auch im Mixer verkleinern)
  2. Nach und nach trockene Komponenten hinzufügen: Hier geh einfach nach Gefühl und füge soviel Haferflocken hinzu, bis eine gute Konsistenz erreicht wird. Haferflocken sollten die Hauptzutat sein, welche von der Fruchtmasse gut umschlossen sein sollten, sodass der Riegel später auch zusammenhält.
  3. Süßungsmittel und andere Zutaten hinzufügen.
  4. Alles gut mit einer Gabel vermengen.
  5. Ggf. Kastenform mit zugeschnittenem Backpapier / Backmatte auslegen (oder direkt Antihaftform verwenden!)
  6. Die Müslimasse in der Form verteilen. Gleichmäßig wird es, wenn man beispielsweise mit den Zinken einer Gabel die Masse verteilt. Man kann die obere Schicht anschließend noch gut mit Zimt, Kokosflocken oder Nüssen bestreuen.
  7. Nun kommt alles in den Ofen. Ich mach meistens so 200 Grad Umluft für ca. 17-20 Minuten. Einfach immer wieder in den Ofen schauen, wenn die Riegel leicht goldgelb sind, rausholen.
  8. Vor dem Abkühlen: Riegel in gleichmäßige Streifen schneiden, dann in der Form abkühlen lassen.
  9. Wer es süßer mag kann nach dem Abkühlen die Riegel nach Belieben mit dunkler Schokolade beziehen.
  10. Dann ab in die Dose!

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Das Beste daran:

Deiner Kreativität sind keine Grenzen gesetzt! Wie wäre es mit Banane-Erdnussbutter-Riegeln mit karamellisierten Erdnüssen und dunkler Schokoladenglasur? Mangoriegeln mit Kokostopping und Cashewcrunch? Apfel-Banane mit Zimt und Rosinen? Haselnusskrokant-Kakaonibs-Schokoporridgesnack? Pfirsich-Cranberry-Kardamon-Oatmealbar? Du kannst selbst entscheiden, ob es eher der gesunde Frühstückssnack oder die süße Kaffeebegleitung werden soll. Ich mags im Alltag einfach und unkompliziert: Da ich morgens immer Porridge mache, habe ich nötige Zutaten stets im Haus und stelle Riegel aufgrund der Zutaten her, die gerade in Reichweite stehen. Der Einkauf für Frühstück und die Riegel ist daher identisch und es gibt einen Punkt weniger auf der To-Do-Liste. Was will man mehr?

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Freizeit konsumieren: Upcycled Rollschuhe.

Wer mit seiner Zeit „etwas“ anfangen möchte, fühlt sich nicht selten dazu gezwungen, neue Gegenstände zu diesem Zweck anzuschaffen. Sicher, spazieren gehen und Vögel beobachten gibt es selbst zu Zeiten neoliberaler Marktwirtschaft gratis. Aber natürlich entwickeln sich Leidenschaften und Interessen auch in Feldern, die naturgemäß Geld kosten und den Kauf diversen Zubehörs verlangen. Oft hat man das Gefühl, erst mit den richtigen Produkten seinen Interessen nachgehen zu können. Und abgesehen von den teilweise fragwürdigen Produktionsbedingungen vieler kommerziell vertriebener Waren, landet ein Großteil davon früher oder später in verstaubten Ecken, Dachböden, auf dem Flohmarkt oder gar im Müll. Wer sich mit alternativen Lebensstilen wie Veganismus, Minimalismus oder Zero Waste beschäftigt, steht nicht selten vor schwierigen Kaufentscheidungen und dem Spagat zwischen Lust und Moral. Oft gibt es kein „richtig“ oder „falsch“, sondern lediglich ein Abwägen eigener Interessen und höherer Ideale. Im heutigen Beitrag möchte ich mit euch teilen, welchen Kompromiss ich für mein neues Hobby gefunden habe und wie ich so zu meinen Rollschuhen gekommen bin.

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Rollschuhfahren: Damit habe ich bereits vor einigen Jahren versucht (erfolglos) anzufangen und hab mir zu diesem Zweck klobige und viel zu große Skechers auf eBay Kleinanzeigen gekauft (immerhin gebraucht!) und später auf dem Flohmarkt wieder verkauft (wenigstens dem Kreislauf wieder zugefügt!).

Später lernte ich eine liebe Freundin kennen, die mich einerseits wieder an das Thema geführt hat und mich andererseits auf die Idee brachte, mir meine neuen Skates einfach selber zu bauen. Hierzu besorgt man sich gebrauchte Schlittschuhe (vielleicht hat man ja sogar schon welche?) und baut diese um.

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Vorteile der selbst zusammengebauten Rollschuhe:

  • Es werden idealerweise keine neuen Rohstoffe verbraucht: Alle Einzelteile kann man gebraucht beziehen. Vielleicht kannst du sogar aus mehreren im Haushalt bereits befindlichen alten Produkten (zB. den Schuh alter Schlittschuhe mit stumpfen Kufen und den Rollen zu klein gewordener Rollschuhe), ein neues nützliches Produkt herstellen
  • Wer kein neues Leder kaufen möchte (großes Argument für mich persönlich!) , bekommt hochwertige Lederschuhe Secondhand und vermeidet die Neuproduktion tierischer Produkte.
  • Wer konsequent alle Teile gebraucht kauft, vermeidet unnötigen Verpackungsmüll neuer Produkte vollständig – in jedem Fall minimiert man zumindest den Müllanfall, je mehr Teile man gebraucht ersteht.
  • Du kannst dir deine Skates vollständig individuell zusammenstellen und deinen persönlichen Wünschen und Bedürfnissen nachkommen (Farben, Skatestil, Größe, Materialien).
  • Du hast eine persönliche Verbindung zu dem Produkt, was sich auch in deinem Know-How es zu  reparieren oder zu verbessern widerspiegeln wird. Anstatt neue Skates zu kaufen, wirst du Ersatzteile selber austauschen können oder zumindest wissen, wen du zu diesem Zweck fragen kannst. Egal ob etwas kaputt geht oder sich deine Bedürfnisse ändern: Weder werden deine Skates auf dem Dachboden verstauben, noch werden wieder neue Rohstoffe verschwendet.
  • Unterm Strich sparst du evtl. Geld gegenüber hochwertigen Rollschuhen im Handel (kommt auf die Ausstattung an). Zumindest ist aber die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Qualität der Skates zumindest höher ist, als gleichwertige im Handel erhältliche Skates.

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Und so gehts:

  • Gebrauchte Schlittschuhe kaufen: Ich habe mich für ein hochwertiges orthopädisches Modell von der österreichischen Firma „Wifa“ entschieden, welches ich auf Ebay-Kleinanzeigrn gefunden habe. Hier lohnt es sich aber auch, mal im Freundeskreis rumzufragen oder auf Flohmärkten zu stöbern. Die Schlittschuhe habe ich persönlich bei der Verkäuferin via BVG in Berlin-Marienfelde abgeholt. Das war natürlich besonders gut für den ökologischen Fußabdruck meiner neuen Skates, gratis dazu gab es dann die reizende Schlittschuhlaufkarrierengeschichte ihrer Vorbesitzerin und eine Idee davon, was in Berlin-Marienfelde eigentlich so geht (nicht allzuviel).
  • Zubehör beschaffen: Meine Plates habe ich gebraucht von einer Freundin bekommen. Kleiner Öko-Wehmutstropfen sind in meinem Fall die Toestops und Rollen, welche ich bei einem Onlineshop bestellt habe. Das wäre mit ein bisschen mehr Zeitaufwand sicher auch anders gegangen. Immerhin konnte ich das Verpackungsmaterial für meine eigenen Onlineverkäufe wiederverwenden. Leider wurde   mir eine Menge unnötiges Werbematerial zugesendet. Wenigstens habe ich daraus gelernt, das nächste Mal im Vorfeld anzugeben, dass ich das Werbematerial nicht möchte.
  • Kufen abbauen: Dafür brauchst du nur einen geeigneten Schraubenzieher.
  • Plate anbringen: Das hat für mich ein Schlitt- und Rollschuhfachgeschäft übernommen (hat 25 € gekostet), es lohnt sich aber auch Menschen zu fragen, die schon länger Rollschuhfahren. Man kann das wohl auch sleber machen.
  • Rollen mit Sicherungsmuttern an Plate befestigen: Ich hab meine Sicherungsmuttern aus dem Baumarkt (inklusive reizendem Beratungsgespräch mit einem Urberliner Baumarktmitarbeiters) und besagte Rollschuhfahrfreundin kam auf die Idee, das nötige Werkzeug im nächsten Fahrradladen zu leihen, was 1a funktioniert hat. Zur Not wäre ich auch nochmal zum Skateshop gefahren.
  • ggf. die Kufen weiterverkaufen und so ein paar Ausgaben wieder reinholen!

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Ihr seht: Mein Weg zu den neuen Skates hat sich mit vielen Menschen und ihren dazugehörigen Geschichten gekreuzt. So haben die Skates selbst schon eine Geschichte für mich, bevor ich überhaupt da erste Mal mit ihnen gefahren bin. Dadurch, dass ich andere Menschen um Hilfe gebeten habe, musste ich kein einziges Werkzeug anschaffen. Außerdem weiß ich auch nun, wie ich in Zukunft am Besten vorgehe, sollte ich nochmal etwas umbauen wollen. Auch mich haben zwischenzeitlich alte Konsumgewohnheiten heimgesucht und ich wäre ungeduldig liebsten sofort mit fabeik     neuen Rollschuhen losgefahren. Am Ende bin ich jedoch froh, diesen Weg gewählt zu haben und meinem Ideal eines neuen, achtsameren Materialismus‘ etwas näher gekommen zu sein. #newmaterialism

 

Ein neuer Materialismus

Ich frage mich, wieviel Zeit am Tag wir eigentlich damit verbringen, Geld zu verdienen oder auszugeben (denn eins scheint sicher: Das Verdienen führt zum Kaufen. Vielleicht führt aber auch das Kaufen zur Notwendigkeit des Verdienens – was wiederum den ganzen Zirkus um Lohnarbeit ad absurdum führen würde… doch dazu vielleicht mehr ein anderes Mal). Selbst ohne Netflix kostet zuhause rumsitzen Geld, das wir mit einem unbefristeten Dauerauftrag bis in alle Ewigkeit auf das Konto unserer Hausverwaltung oder Bank einzahlen.

Mit „wir“ meine ich im Allgemeinen Menschen (wie mich), die in der westlichen Hemisphäre leben, eine Haftpflichtversicherung haben und ein Auto besitzen könnten, wenn sie wollten. Deren größte Sorge es ist, welchen Boden sie für die neue Küche aussuchen sollen oder ob sie nicht lieber doch in ihrer alten Wohnung bleiben möchten, weil der Südbalkon so eine schöne Aussicht hat. (Bitte nicht falsch verstehen: Sicher gibt es auch in dieser Welt Leidensdruck und persönliche Katastrophen. Vielleicht ist sogar der materielle Reichtum Teil eines verkannten Leidens, welcher sich selbst potenziert – doch dazu komme ich später.) Mit „wir“ meine ich im Speziellen aber auch eine Generation (wie meine), die angeblich alles haben könnte, wenn sie nur wüsste was sie wollte; die viel bemühte Generation Y. Was meint dieser Begriff eigentlich eigentlich genau? Ja, keine Ahnung – und das ist wahrscheinlich Teil seines Konzepts. Die irgendwo zwischen Techno-Hedonismus, Selbstfindungs-Backpackertourismus und Sozial-Burnout herumsteuernden (mittlerweile bereits) Endzwanziger schreiten mit großen Schritten auf einen Lebensabschnitt zu, in dem man bislang ziemlich sicher von „Erwachsenen“ gesprochen hätte – immer noch genauso unentschlossen wie zu dem Zeitpunkt, als der erste große Generation Y-Artikel viral durch sämtliche Facebook-Feeds geisterte (feels so 2011!).

Worauf will ich eigentlich hinaus? Unsere Eltern und Großeltern sind mit dem Versprechen groß geworden, dass man sich Glück kaufen kann, wenn man nur hart genug dafür arbeitet. Und dieses Glück kommt in vielen Gestalten: In zahllosen Einwegverpackungen genauso wie in Reihenhäusern und Retortenlebensläufen, in denen retrospektiv alles vorherbestimmt erscheint. Und da steht sie nun da, die „neue“ Generation (ja, ich gebe zu, so neu ist sie nicht mehr und wurde schon unlängst durch die Nächste abgelöst), rätselratend vor einem Berg Konsumgütern, vor Bausparverträgen und Immobilien – oder eben vor den Schulden, die diese anschaffen sollten. Und irgendwie scheint sich das Versprechen nicht eingelöst zu haben. Die Verwirrung über die unerwartete Sinnsuche die nun auf die Epoche des Konsums folgt (der ganze Kram sollte uns doch eigentlich glücklich machen!) gibt den Ton an, für die kollektive Profilneurose einer ganzen Generation.

Der Effekt spiegelt sich im Kater wieder, der auf den Rausch folgt. Der Backlash scheint so extrem, wie seine Verursacher: Auf Schönheitswahn und Konsumterror folgen Trends wie Zero Waste, Konsumverweigerung, Selbstversorgertum und Minimalismus. Zugegebenermaßen zumeist privilegierte weiße Menschen entscheiden sich nach Dekaden besinnungslosen Konsums für den kalten Entzug und sonnen sich in ihrer Entscheidung gerne öffentlich durch das Teilen von Blogs und Podcasts. Ich will auch dazugehören!!!

Die Idee vom Überfluss zur Abstinenz zu finden ist dabei übrigens bei Weitem nicht neu. Schon der erste Buddha Gotama konnte seinem privilegierten Prinzendasein wenig Substanz abgewinnen, weshalb er den weltlichen Glückszuschreibungen den Rücken kehrte und somit den Grundstein einer der größten Weltreligionen bildete. Nein, ich vergleiche mich gerade nicht mit Buddha. Was ich sagen möchte ist: Das Problem ist nicht neu und das Problem betrifft auch nicht nur mich, als weiße Deutsche in Mitteleuropa – weil ich es mir leisten kann mich damit auseinanderzusetzen. Das heißt nicht, dass meine privilegierte Subjektposition keine Rolle spielt und es ist sicher auch kein Zufall, dass die meisten bekannten Zero Waste und Minimalismus-Vorreiter_innen selbst aus einem Zustand des tyrannischen westlichen Warenüberflusses ihren Weg aus dem Konsum herausfanden. Nichtsdestotrotz ist das Gefühl des Mangels ein Kollektives – paradoxerweise auch, wenn der Lohn hoch und der Teller voll ist. Die Folgen der kläglichen Versuche diese vermeintlichen „Mängel“ zu stillen (Übermüllung, Ressourcenverschwendung, Schnelllebigkeit, Entfremdung) stellen globale Konsequenzen dar, die vor keiner sozialen Zuschreibung halt machen. Schlimmer noch: Was in Reichtum an einer Stelle entschieden wird, hat oft fatale Auswirkungen an anderer Stelle in Armut. First World Problem? U wish.

Das größte Paradox ist wohl, dass wir in der Flut an materiellen Gütern, die wir tagtäglich konsumieren, den Bezug zu den einzelnen Gegenständen völlig verloren zu haben scheinen. Nachdem wir uns, aufgrund normativ generierter sozialer Zuschreibungen, mit einem Produkt aufgrund abstrakter Merkmale identifiziert haben, wandern diese über unsere Einkaufskörbe (teilweise mit einer Halbwertszeit von unter 20 Minuten) direkt in den Müll. Gegenstände kommen, um gegangen zu werden. Ich plädiere nicht gegen die Dinge – im Gegenteil: Ich wünsche mir einen neuen Materialismus, der den Dingen, die uns umgeben, einen Wert einräumt. Aktuell leben wir materialistisch, aber sehen die Dinge vor lauter Kram nicht.

Mich beschäftigt das Problem mit dem Glück, den Machtasymmetrien zwischen verschiedenen Subjektpositionen genauso wie die Idee, kleine Alltagsentscheidungen nach Zero Waste oder Minimalismusvorbild zu überdenken. Für meine nächsten Blogprojekte steht zwar das Logo und das Hosting, aber nicht der Content. Dieses Projekt hier hat kein Konzept, dafür aber Inhalte – und somit den anderen Entscheidendes voraus. Coffee-To-Go-Wahnsinn, Saisonales Marketing, Limitierende Geschlechterstereotype, Hipster-Kapitalismus. Ich leide unter Berlin-Mitte-Burnout. Begleitet mich dabei herauszufinden:

 

How to overcome Pumpkinspicefatigue.